Strategie
Timos Denkmodell hinter den Reels: Zielgruppe, Frequenz, Zeiten, Kommentare.
Das Ziel im eigenen Einflussbereich
Timos wichtigster Punkt, und er kommt aus dem Leistungssport. Nach einem zweiten Platz bei einer Weltmeisterschaft steht man drei Tage später wieder im Trainingssaal, weil man sich das Verarbeiten nicht leisten kann.
Egal ob du Erster oder Fünfter auf einer Weltmeisterschaft wirst, Montag ist Training.
- Für die Challenge übersetzt: Ein Ziel wie eine bestimmte Zahl an Followern liegt nicht in deiner Kontrolle. Jeden Tag vor die Kamera zu gehen liegt darin.
- Timo hat sich für die ersten Wochen genau das gesagt: Egal ob etwas viral geht oder alles floppt, morgen stehe ich wieder vor der Kamera.
- Seine Warnung dazu, ausdrücklich mit Wohlwollen gesagt: Es kann sein, dass du 350 oder 500 Reels davon entfernt bist, überhaupt eine Chance zu haben. Er behauptet nicht, dass es so ist, sondern dass es sein kann.
- Sein eigener innerer Maßstab: Bei etwa 2.800 Reels hält er sich für gut vor der Kamera. Aktuell sieht er sich bei rund 40 Prozent davon.
Als Beleg nennt er Alex Hormozi, heute sehr groß, dessen frühe Videos vor sechs oder sieben Jahren nach Timos Urteil schlecht waren. Vor der Kamera natürlicher zu werden ist für ihn ein Skill, den man nur durch Wiederholung lernt.
Reels für neue Follower, Storys für bestehende
Das ist ausdrücklich Timos Denkmodell, entstanden nach etwa 900 Reels.
- Zeitweise kamen 95 Prozent seiner Views auf Reels von Menschen, die ihm nicht folgen.
- Daraus folgt für ihn: Reels müssen für Fremde funktionieren. Storys sind für die bestehende Community.
- Das erste Reel, das jemand von dir sieht, ist nicht dein erstes Reel. Bei ihm bekommen vier Monate alte Reels mehr Views als das von gestern.
- Reels postet er deshalb nicht mehr in die Story. Ob das klug ist, lässt er offen.
Menge statt Perfektion
- Ein Reel erreicht nur einen Bruchteil der Follower. Dieselbe Aussage mehrfach zu verwenden ist deshalb kein Problem.
- Sein Ziel sind nicht 500 kreative Ideen, sondern die etwa 30 Themen, auf die Menschen bei dir reagieren, immer wieder aufgenommen.
- Beispiel aus seiner Kundenarbeit: Tanja ging von 10.000 auf 80.000 Follower. Nachdem das tragende Thema gefunden war, entstanden rund 150 Beiträge dazu, aus 75 verschiedenen Richtungen.
- Wichtige Einschränkung von ihm selbst: Das ist kein Aufruf, zehn Reels am Tag zu posten. Mehr Produktion bedeutet nicht, dass den eigenen Followern mehr gezeigt wird.
Frequenz nimmt Druck
- Ein einzelnes Reel pro Tag bekommt emotional mehr Gewicht. Bei zehn verteilt sich das, weil eines davon funktionieren wird.
- Als Timo die Menge verdreißigfachte, brach seine Ausspielung zunächst auf etwa 10 Prozent ein. Genau deshalb hat er sein Ziel nicht an Wachstum gehängt.
- Er findet es heute schwieriger, eine Sache am Tag zu posten, als zehn.
Länge und Format
- Das Limit für Reels liegt bei drei Minuten. Längere Videos lassen sich hochladen, werden laut Timo aber nicht an neue Follower ausgespielt.
- Am Anfang lagen seine Reels bei fast drei Minuten, weil er es kürzer nicht hinbekam. Mit der Zeit wurden sie immer kürzer.
Commitment über den Monat hinaus
Wer Instagram ernsthaft betreiben will, muss laut Timo länger als vier Wochen denken. Dieselbe Tätigkeit ein Jahr lang fortgesetzt führt zu besseren Fähigkeiten und mehr Reichweite, unabhängig davon, was ein einzelner Monat zeigt.
Posting Zeiten
- Montag ist ein besserer Tag als Samstag, das sagt er mit absoluter Klarheit.
- Er postet meist morgens gegen sechs Uhr, weil seine Zielgruppe früh wach ist und abends lange wach bleibt.
- Bei 38 Grad draußen oder während eines WM Finales spielt es fast keine Rolle, was man postet.
Er hat zu allen Zeiten getestet. Die Zeiten gelten für seinen Account, nicht automatisch für andere.
Was bei Timo besser performt
Das ist die vollständige Auswertung seines Accounts, ausdrücklich nur für ihn gültig:
- Wenn er nicht direkt in die Kamera spricht, performt es besser. Ausnahmslos. Seine Vermutung: Frontale Ansprache fühlt sich nach Bildung an statt nach Unterhaltung.
- Wenn er etwas mit den Händen tut, zum Beispiel isst.
- Wenn er flucht oder vulgär ist.
- Bestimmte Themen kommen besser an als andere.
- Aufnahmen draußen nimmt er deshalb wenig für Reels auf, dafür für Storys und Telegram. Sein Test: 100 Reels draußen gegen 100 drinnen, der Unterschied war für ihn eindeutig sichtbar.
- Aufnahmen im Auto funktionieren bei ihm ebenfalls schlechter für Reels.
Die passenden Kamerawinkel findet man mit der Zeit von selbst, wenn man sich regelmäßig in der Selfiekamera sieht. Eine Faustregel gibt es dafür nicht.
Ein Strategiewechsel kostet Follower
- Wer die Produktionsweise deutlich ändert, verliert einen Teil der bestehenden Follower. Sie sind wegen des alten Formats gefolgt.
- Timos Abwägung: Sein aufwendig produzierter Content brachte kaum Engagement und war dauerhaft nicht leistbar. Also hat er den Verlust in Kauf genommen.
- Bei einem sehr großen Account, er nennt 200.000 Follower, würde er nicht mehr umsteuern. Dort habe man sich Gold in den Käfig gebaut.
- Testreels, nutzbar ab etwa 200 Followern, sehen bestehende Follower nicht.
Kommentieren wirkt
- Timo kommentiert nicht bei anderen Accounts. Nicht aus böser Absicht, er hat schlicht keinen Impuls dazu.
- Er kommentiert die Kommentare unter seinen eigenen Reels, und das macht einen Unterschied. Warum, weiß er nicht.
- Es ist egal, ob der beantwortete Kommentar zum aktuellen oder zu einem älteren Reel gehört.
- Diskussionen führt er nicht. Ihm ist bewusst, dass lange Diskussionen dem Algorithmus helfen, er will nur nicht selbst derjenige sein. Wenn andere in seinen Kommentaren diskutieren, ist ihm das recht.
- Hass unter der Gürtellinie löscht er und blockt die Person. Bisher etwa 30 Mal.
Nur Metaanalysen
- Die einzige Metrik, auf die er schaut, sind Views. Die durchschnittliche Sehdauer seines Accounts kennt er nicht.
- In den ersten fünf bis sechs Wochen hat er sich verboten, auf Views zu schauen, weil es ihn wahnsinnig gemacht hat.
- Was er auswertet, sind die übergreifenden Muster aus dem Abschnitt oben. Das ist nach seinen Worten die gesamte Analyse seines Accounts.
Glaubst du, der Satz war gut? Glaubst du, der Hook war gut? Nope, I don’t. I really, really don’t.
Reibungsfrei arbeiten
Ein Prinzip, das Timo über die Technik hinaus formuliert: so wenig Aufwand und so wenig technische Komplikationen wie möglich. Sobald man auf Technik angewiesen ist, die einwandfrei funktionieren muss, steigt die Komplexität ins Unendliche. Deshalb legt er die Aufzeichnungen einfach in einen Ordner bei Google Drive, statt eine eigene Plattform aufzubauen.
Häufige Fragen
Wie reagieren bestehende Follower auf mehr Videos?
Ein Teil springt ab, das muss man akzeptieren. Für Tests gibt es Testreels, die bestehende Follower nicht sehen.
Soll ich nur Reels machen?
Timo macht nur Reels, weil er den Skill vor der Kamera für wichtig hält und ihm Beiträge im Karussellformat zu viel Zeit kosten. Er sagt selbst, dass es Leute gibt, die darin schnell sind, und dass es ein Fehler von ihm sein könnte.
Schweizerdeutsch mit hochdeutschen Untertiteln?
Timos Einschätzung: Im deutschsprachigen Raum ist die deutsche Zielgruppe die größte und hört Schweizerdeutsch ungern, daran ändern Untertitel nichts. Man muss sich entscheiden zwischen Content für die Schweiz und Reichweite im gesamten Sprachraum.
Wie wichtig ist Musik im Reel?
Timo hat es über rund 500 Reels getestet und keinen Unterschied gesehen. Details dazu stehen unter Video Edit.
Ab wann kann ich Testreels nutzen?
Ab etwa 200 Followern.